Literarisches Colloquium BerlinAnne-Kathrin Heier ist Teilnehmerin an der Autorenwerkstatt Prosa 2008/2009.
Sie fliegen nach Island, die Frau scheint etwas müde, im übrigen wirken sie wie ein normales Paar. Ein Paar sind sie tatsächlich: vier Jahre lang hatte Daniel seine Sinje in der gemeinsamen Wohnung eingesperrt. Ein guter Skandal, um einen Roman zu beginnen. Doch Heier legt die Fäden von Anfang an noch raffinierter aus: Sinje war einverstanden. Sie wollte nicht hinaus. Es heißt, sie hätte sich sonst verloren. Schwach sei sie. Doch nun hat eine Schlinge sich zusammengezogen; Daniel hat die Freundin auf eine Reise in ihre alte Heimat entführt. Die Geschichte dieses merkwürdigen Paars, inmitten einer Landschaft, die zunehmend zum dritten Protagonisten wird, besticht sprachlich durch ihren Nachdruck und die exakten Beobachtungen von Körper und Psyche. Und sie besticht erzählerisch durch den konsequenten Wechsel der Perspektive zwischen Mann und Frau. Sinje erzählt. Der Leser glaubt ihr, leidet mit. Dann spricht Daniel: wie vernünftig alles klingt, wie leicht es sich auflöst. Nun folgt man ihm. Dann wieder ihr. Die spannendste Verwirrung entsteht – ein detektivisches Lesen in den Innenräumen zweier Menschen. Am Ende weiß man nicht, wem man vertrauen soll und fährt umso atemloser und leichtsinniger mit in Schnee und Eis. „Singing songs to us about yesterday.“ aus “Sprache im technischen Zeitalter” Heft Nr. 189, S. 22-31
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